Original Murnau-Werdenfelser Rinder
Herdbuchzucht vom Gölmbach

Haltungsbedingungen

 Besonderen Wert legen wir auf die Haltungsbedingungen. Wie es ihrem natürlichen Verhalten entspricht leben unsere Murnauer mit ihren Kälbern im Herdenverband ganzjährig auf der Weide. Rinder können sich an Kälte wesentlich besser anpassen als an Hitze, deshalb ist es auch im Winter möglich die Tiere, vorausgesetzt sie sind bei gesunder Konstitution, durchaus im Freien zu halten. Unsere Rinder können Strohlager und Unterstände aufsuchen.

Die Mutterkühe bauen eine sehr intensive Beziehung zu ihrem Kalb auf, aus diesem Grund dürfen bei uns die Mütter  das Absetzen ihrer Kälber selbst bestimmen . Sehr unterschiedlich sind da unsere Damen, die eine liebt und umsorgt ihr Kalb übermächtig, die andere ist schon mal froh, wenn der Nachwuchs spielen geht. Ein mitlaufender Bulle ist für die Familienplanung zuständig. Eine einmal festgelegte Rangordnung in der Herde besteht über einen längeren Zeitraum und wird bestimmt u.a. durch das Gewicht, das Alter und die Größe. Durch gegenseitiges Belecken werden ihre sozialen Bindungen gefestigt.

 

Im Einklang mit der Natur


Soviel Wert wie wir auf die Haltungsbedingungen legen, soviel achten wir auch auf einen sorgsamen Umgang mit der Natur. Unsere Weiden sind " unzertifiziert "biologisch. Wir verwenden keinen Kunstdünger, keine Pestizide. Nur der eigene Mist der Tiere wird auf die Weiden verbracht. Hierbei achten wir auf den Stand es Mondes, ausgefahren wird bei Vollmond oder bei abnehmenden Mond, so bleibt das Grundwasser geschützt.Im Winter wird das eigene Heu unserer Schnittweiden verfüttert. Das Einfahren des Heus ist immer ein besonderes Highlight und erinnert mich an meine Jugend auf dem Lande! Auch hier wird versucht beim Einfahren auf den abnehmenden Mond zu achten, was leider aber auf Grund der oft schlechten Wetterlage nicht immer möglich ist. 

Beim Umgang mit unseren Tieren achten wir stets darauf, dass gekaufte oder verkaufte Tiere niemals an einem Dienstag, Donnerstag oder Sonntag verbracht werden. Unsere erste Murnauer-Werdenfelser Kuh " Sophia " kam an einem Sonntag bei uns an, bis heute finden wir zu diesem bayrischen Mädel keinen Zugang. Reserviert und erhaben blickt sie auf uns herab! Und das schon seit 6 Jahren.

All unsere Rinder erhalten außer Salz-und Minerallecksteinen keinerlei Zusatzfutter und Wachstumförderer.


Das Horn


Besondere Aufmerksamkeit möchte ich hier einmal den Hörnern widmen.

 Wenn wir ein Tier mit zwei am Kopf angeordneten Hörnern anschauen, wissen wir, dass es ein Wiederkäuer mit vier Mägen und einem langen Darm ist. Man vermutet, das es einen Zusammenhang gibt zwischen den sehr spezialisierten Verdauungsorganen und den Hörnern. Im Oberkiefer der Wiederkäuer befinden sich weder Eck-noch Schneidezähne, hier entwickelte sich aus dem Zahnfleisch eine Kauplatte mit verhornter Oberfläche.

Das Horn selbst wird aus Haut gebildet, in die ein Hornzapfen hineinwächst, der mit Nerven versehen ist, durchblutet wird und mit der Stirnhöhle verbunden ist. Beim ausgewachsenen Rind durchziehen die gekammerten Hohlräume der Stirnhöhle dann später auch das Innere des Hornzapfens. Der Hornzapfen besteht zuerst aus knorpeligem Gewebe, das dann verknöchert und das Horn fest mit dem Schädel verbindet

Dienten die Hörner früher auch als Waffe bei Angriffen durch Feinde, spielen sie heute eine wichtige Rolle im Sozialverhalten. Wenn z.B. zwei Kühe festlegen wollen, wer in der Rangordnung höher steht, treten sie sich mit den Hörnern gegenüber. In einer Herde mit horntragenden Tieren steht eine Rangordnung schneller fest. Oft ist auch zu beobachten, je schöner die Hörner, desto höher ist das Rind in der Herde angesiedelt. Enthornten Tieren fehlt die Möglichkeit sich fair auseinanderzusetzen. Hier wird der Rivalin dann in die Seite gerammt, die Folgen sind hier nicht weniger harmlos. Auch sind die Hörner für Rinder ein gutes Erkennungsmerkmal, da Kühe auf große Distanz nicht gut sehen, erkennen sich behornte Tiere unter anderem an ihrer Silhouette.

 Je nach Stellung in der Herde variieren bei horntragenden Rindern die Individualdistanzen zwischen 1-3 m, die bei einer Weidehaltung  problemlos eingehalten werden können.


Egal ob Sinnesorgan, verwandelte Zähne oder die Tatsache, dass Tiere, die Hörner tragen ihre Speiseröhre in Vormägen verwandeln und somit Wiederkäuer sind, für uns gehören die Hörner zu unseren Rindern wie das Salz in der Suppe. Wir lieben diesen wunderschönen Kopfschmuck unserer Murnauer,der ehrlicherweise ungewollt schon die eine oder andere Jackentasche geschlitzt hat, deshalb ist uns für ein vertrauensvolles und verletzungsfreies Zusammenleben ein respektvoller und aufmerksamer Umgang mit unseren Tieren sehr wichtig.

 

Xepp'l beim Wiederkauen: dösende,vibrierende und in-sich-kehrende Haltung ist zu beobachten.

Mit jedem Kalb bildet sich am Horn der Mutterkuh ein Ring. Ebenso können Fütterungseinflüsse an der Ringbildung an der Basis des Horns beteiligt sein, somit ist es möglich, die gesamte Biographie des Tieres wie an einem Baumstamm abzulesen..

Auch wird von Zusammenhängen des Wesens der Tiere und der Biegung ihrer Hörner berichtet, so deuten nach unten gerichtete Hörner auf depressive Tiere, Rinder mit nach außen gerichteten Hörnern sind eher aufmüpffig  .Kühe hingegen deren Hörner nach oben gehen, greifen nicht an und werden nicht angegriffen.

 Sella zum Zeitpunkt der Aufnahme 2 Kalbungen  

       Sophia zum Zeitpunkt der Aufnahme 4 Kalbungen.